Abendveranstaltungen

wollte ich schon längst schreiben, hole ich jetzt nach…

Sooft treibe ich mich ja nicht abends herum, aber manchmal zwingen mich die Ereignisse in Berlin, meine Höhle zu verlassen und mich diversen Abendveranstaltungen - hinzugeben - kann man nur sagen.

Am zehnten September in Lichtenberg. Ein Stadtteil Berlins, dessen Namensnennung höchstens ein vages Mißtrauen hervorruft. Was ist denn schon in Lichtenberg? Jedenfalls gibt es in Lichtenberg eine kleine Ortschaft, umschlossen von Bahngleisen und nur durch Tunnel erreichbar, namens Victoriastadt. Merkwürdige Atmosphäre - Gründerzeit mit durchgängig nur drei Stockwerken - dort wirkt es ein bisschen wie ausserhalb der Zeit.

Als Berlin noch glaubte, Geld ausgeben zu können, bekamen engagierte Leute ordentlich Zuschüsse, um sich die verfallenen Häuser mit viel Eigenleistung selbst herrichten zu können, was zur Folge hatte, daß sich viele Häuser dort in gemeinschaftlichem Wohneigentum befinden und die Bewohner dort, zusammengeschweißt durch Blut, Schweiß und Tränen des Auf - und Umbaus, inniger als sonstwo zusammenleben.

Man stelle sich zwei Häuser übers Eck vor, die sich einen Hinterhof teilen. Im Hinterhof steht eine hübsche Remise, die Bewohner haben sich alle großzügige Balkone geleistet.

Dort fand auf dem Dach der Remise eine Aufführung von Shakespeares “der Sturm” statt, inszeniert, arrangiert, ausgestattet und aufgeführt von den Bewohnern des Viertels.

Als ich dort arglos und völlig unvorbereitet ankam, wurde ich sogleich von einer liebwerten Dame unter die Fittiche genommen, die mich in den zweiten Stock des einen Hauses führte, in ihre Wohnung, durch ihr Schlafzimmer, auf den Balkon zu den anderen dort schon versammelten Zuschauern, mir ein Glas Wein in die Hand drückte und später, als mit der sinkenden Dämmerung die Kühle zunahm, uns mit Decken und Jacken versorgte.

Allein diese Szenerie war schon reizvoll genug, die Aufführung war noch besser.

Vor allem die Windgeister waren absolut sehenswert, dargestellt von allen Nachbarskindern jeder Altersstufe, ich glaube, das Kleinste war grade mal drei Jahre alt.

Natürlich ist es immer nett, Kindern zuzukucken, die eifrig auf einer Bühne beschäftigt sind - aber diesen muss man ein besonderes Kompliment aussprechen: Nicht nur, daß sie eine großartige Bande leidenschaftlicher Windgeister waren, (in sehr hübschen Kostümen, nebenbei bemerkt) sie waren auch absolut diszipliniert und professionell.

Genauso wie die beiden Hauptdarsteller Miranda und ihr Prinz Ferdinand, beide vierzehnjährig, die die erwachsenen Darsteller - auch mit ganz bemerkenswerten Leistungen - glatt an die Wand spielten.

Möglicherweise lag es daran, daß die zwei schon in der Grundschule gern zusammen Theater gespielt hatten, wie ich mir hinterher sagen liess. Sie spielten innig und lässig zugleich, mit kleinen, verbalen Ausbrechern in den heutigen Slang, spontan und niemals forciert, zwei lustige und selbstbewußte Jugendliche, die als Einzige dieses Stück nicht nur gut spielten, sondern es mühelos und ganz nebenbei ins Heutige verlagerten, überzeugend und ganz und gar bezaubernd.

Die zwei würde ich furchtbar gern als Romeo und Julia sehn!

Einen Sonntagabend später, am 17. September, fand endlich das verschobene und lang erwartete Konzert von DISTURBED in der Columbiahalle statt.

Es war zu kurz!

Ein charismatischer Frontmann, ausgezeichnete Musiker, bemerkenswert klare Akkustik, kein Klangbrei trotz enormer Lautstärke, ein begeistertes Publikum, mitreißende Stücke - das hätte ich mir mindestens noch eine halbe Stunde länger gewünscht! Es dauerte aber nur eine gute Stunde, leider…

Lustig war, wie sie mittendrin ein Stück von Genesis (land of confusion) gecovert haben - richtig gut - und ein paar alte, gestandene Metaller - die mich ununterbrochen mit Bier und Zigaretten versorgten - eher pikiert darauf reagierten, während das Jungvolk (Genesis? irgnwo schomma gehört…) sich dabei prächtig amüsierte ;-)

2 Reaktionen zu “Abendveranstaltungen”

  1. anet und thomas

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  2. anet und thomas

    hallo heide 2 fotos vom sturm, ich hoffe du kannst sie aufmachen. wenn du willst gerne mehr. grüße anet

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